11.05.2020
"Übrigens ..."

Nicht Eigeninteressen absolut setzen  

Es ist ja seltsam, was einem angesichts von Corona so durch den Kopf geht.
Mir zum Beispiel fällt auf, dass es uns mit den Corona-Maßnahmen ähnlich geht, wie den Menschen in der Bibel. Auch in der Bibel geht es ja viel um Gesetze und Verordnungen, und nicht nur im Alten Testament. Und im Prinzip finden ja alle gut, dass es Gesetze gibt – aber wehe, sie schränken mich ein oder bringen mir persönliche Nachteile.
Das äußere Gesetz, die Auflagen, die uns für unser tägliches Leben gemacht werden, das ruft Widerstand hervor. Auch das sehen wir in der Bibel immer wieder: Menschen lehnen sich auf, befolgen die Gebote einfach nicht. Dabei ist das Gesetz doch gut, wie die Bibel immer wieder betont, denn es ermöglicht das menschliche Zusammenleben, schützt die Schwachen vor dem Egoismus der Starken. Freiwilligkeit ist gut, genügt aber nicht immer. Wir brauchen Regeln, damit wir nicht in jeder Situation erst überlegen müssen: Wie verhalte ich mich hier richtig? Doch sobald da ein Gesetz ist, fangen wir an, zu überlegen, wie wir es umgehen könnten und protestieren. Die Bibel kennt das Problem. Da sagt Gott dann schließlich: “Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben.” (Jeremia 31,33)
Ich wünsche mir und uns allen, dass jeder und jede von uns die Regeln der Rücksichtnahme so verinnerlicht, und nicht Eigeninteressen absolut setzt, in Corona-Zeiten und auch sonst.

Astrid Schlüter, Pfarrerin im Kirchenkreis Niederlausitz