10.09.2019
Pressemitteilung Klinikum Niederlausitz

Blick in die Zukunft: Tansanier besuchen Krankenhaus Lauchhammer

Die hohen Standards der medizinischen Versorgung in Deutschland strahlen international aus. Eine Hospitation von Mitarbeitern eines tansanischen Krankenhauses am Standort Lauchhammer des Klinikums Niederlausitz am 6. September schärfte den Blick  für die gute Versorgungslage der Patienten in Südbrandenburg und der gesamten Republik.

Der Arzt Makassy Mashauri und der Apotheker Samwel Nanagi arbeiten im Lugala Lutheran Hospital im südlichen Teil Tansanias. Die Reise von der nächsten größeren Stadt in diese schwer zugängliche Region dauert mit dem Bus bis zu sechs Stunden. Medizinstudent Lukas Richter aus Lauchhammer kennt den Weg gut: Er absolvierte verschiedene Praxisphasen seines Studiums nicht nur im Krankenhaus in Lauchhammer, sondern auch in Lugala. Anlässlich eines Partnerschaftstreffens zwischen Mitarbeitern des tansanischen Krankenhauses, dem Evangelischen Kirchenkreis Bad Liebenwerda und dem Leipziger Missionswerk empfing er seine afrikanischen Kollegen am 6. September 2019 in der Lausitz. Die beiden Gäste hospitierten in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und in der Medizinischen Klinik 1 in Lauchhammer. „Für beide ist es schon interessant, ein modernes Krankenhaus mit viel Komfort zu erleben. Auch die technische Ausstattung und deren Anwendung zu sehen, wird für sie sehr eindrücklich sein“, verdeutlicht Lukas Richter im Vorfeld die Unterschiede zwischen der medizinischen Versorgung in beiden Ländern. Am Lugala Lutheran Hospital werden die Operationen prinzipiell offen mit einem Bauchschnitt durchgeführt. Minimalinvasive Operationen in Schlüssellochtechnik, wie sie in Lauchhammer angeboten werden, gehören in Tansania nicht zum Repertoire.

Hospitation mit minimalinvasiver Operation und Vorstellung der Funktionsdiagnostik
Während des Besuchs in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie informierten sich Samwel Nanagi und Makassy Mashauri bei Chefarzt Dr. Thomas Buthut über laparoskopische Operationen und waren bei der minimalinvasiven Operation eines Leistenbruchs dabei. Bei dieser sogenannten Schlüsselloch-Technik können Chirurgen auch komplexe Eingriffe mit kleinen Schnitten schonend durchführen.  Bei der Führung durch die Funktionsdiagnostik informierten sich die tansanischen Gäste bei Martin-Günther Sterner, Chefarzt der Medizinischen Klinik 1, über das Leistungsspektrum seiner Endoskopieabteilung, das videoendoskopische Arbeitsplätze für Gastroskopie, Koloskopie, die endoskopisch-retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP), die Endosonographie und Bronchoskopie sowie die Kapsel-Endoskopie umfasst. Beide zeigten sich beeindruckt von den Strukturen und Standards des Krankenhauses in Lauchhammer. „Wir würden uns wünschen, solche Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten in 20 Jahren auch in Tansania anbieten zu können“, verdeutlichte Samwel Nanagi die Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen in Tansania und Deutschland.

Sechs-Bett-Zimmer als Standard
Der Arbeitsalltag von Herrn Nanagi und Herrn Mashauri in Tansania unterscheidet sich deutlich von dem seiner Gastgeber: Das Lugala Lutheran Hospital versorgt mit 164 Betten in sechs- bis acht-Bettzimmern über 150 000 Menschen in einem Umkreis von über 100 Kilometern. Zum Vergleich: Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz leben allein über 110.000 Menschen, die neben dem Klinikum Niederlausitz mit über 500 Betten an den Standorten Senftenberg und Lauchhammer weitere Kliniken in ihrer Umgebung finden. „Während meines Praktikums am Lugala Lutheran Hospital habe ich Medizin unter Armutsbedingungen mit allen ihren Problemen kennen und unser deutsches Gesundheitssystem sehr zu schätzen gelernt.  Mir sind die Menschen und das Krankenhaus ans Herz gewachsen, sodass für mich feststand, mich weiter für das Hospital zu engagieren. Die Hospitation in Lauchhammer kann die Standards im Lugala Lutheran Hospital vielleicht zukünftig etwas verbessern – außerdem wollte ich Samwel und Makassy gern meine Heimat zeigen“, erklärt der angehende Arzt, warum ihm die Unterstützung eine Herzensangelegenheit ist.

Lauchhammeraner Kirchgemeinde unterstützt das Lugala Lutheran Hospital
Zum Lugala Lutheran Hospital gehören ein Operationstrakt, eine Ambulanz, eine Entbindungsstation, eine Frauen-, Männer- und Kinderabteilung sowie eine HIV-Beratungsstelle, ein Labor, eine Physiotherapie und eine Apotheke. Geleitet wird es vom deutschen Arzt Dr. med. Peter Hellmold und dem tansanischen Mediziner Emmanuel Chogo. Tropen- und Infektionskrankheiten wie Malaria, HIV/AIDS und Tuberkulose prägen den klinischen Alltag genauso wie die Geburtshilfe, Chirurgie und auch hierzulande weit verbreitete Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Über das Leipziger Missionswerk und die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands pflegt der Evangelische Kirchenkreis Bad Liebenwerda eine Partnerschaft zu diesem Krankenhaus, die in den 1990er Jahren vom damaligen Lauchhammeraner Pfarrer Manfred Langer initiiert wurde.
Unterstützung erhält das Krankenhaus aus Deutschland in vielfältiger Weise: Ausgediente, aber noch funktionsfähige Geräte sowie OP-Besteck werden in regelmäßigen Abständen nach Tansania geschickt sowie Austausch- und Begegnungsreisen organisiert. Weiterhin erhält das Krankenhaus finanzielle Hilfen zur Bewältigung der täglichen Patientenversorgung.

Wer für das Hospital spenden oder die Partnerschaft unterstützen möchte, kann sich an das Pfarrbüro in Lauchhammer wenden:  
Pfarrbüro im Gemeindezentrum
Dietrich-Heßmer-Platz 14
01979 Lauchhammer
(03574) 460753
kirchelauchhammer@t-online.de
Kontonummer für Spenden:
IBAN: DE10 1805 5000 3020 0006 01
BIC: WELADED1OSL
Verwendungszweck: Lugala Lutheran Hospital Tansania

Fotos: Klinikum Niederlausitz / Kristin Dolk Klinikum Niederlausitz / Kristin Dolk 


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