19.04.2021
"Übrigens..."

Gott zeigt seine Barmherzigkeit

Im Allgemeinen hören wir Worte oder lesen sie. Manchmal merken wir sie uns und manchmal haben wir Mühe sie zu verstehen. Was wir über Hesekiel im Predigtext (Hesekiel 34,1–2(3–9)10–16.31) für den kommenden Sonntag erfahren, geht offenbar über diese allgemeine Erfahrung weit hinaus. „Und des HERRN Wort geschah zu mir“, so heißt es dort.

Starke Worte. Sie geschehen. Sie geschehen an Hesekiel, der vom Leben nicht gerade verwöhnt wurde. Hesekiel war Priester vom Tempel in Jerusalem, hat in jungen Jahren die erste Belagerung der Stadt, die Plünderung des Tempels und die Verschleppung nach Babylon mitgemacht. Das waren traumatische Erlebnisse. Vorbei war es mit seiner Berufung als Priester. Nun lebt er von berufsfremder Arbeit als Ausländer im fremden Land. Was er nicht weiß: Den Tempel wird er niemals wiedersehen.

Was war das für ein Wort, das Gott an Hesekiel in dieser schlimmen Situation geschehen lässt?

„So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?“

Hirten, die sich selbst weiden, klagt der Prophet Hesekiel an. Hirten, die sich mit Fleisch und Milch und Wolle bereichern, statt die Herde zu hegen und zu beschützen. Zu Recht klagt der Prophet Hesekiel die Hirten an, die sich selbst weiden. Solche Hirten, solche politischen oder religiösen Führer gibt es auch heute noch. Machtpositionen werden nicht zum Wohle aller ausgefüllt, sondern zu persönlichen Zwecken benutzt und manchmal geradezu missbraucht. Das hat auch Hesekiel so zornig gemacht.

Aber Gott schaut nicht einfach zu: „Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden.“ Gott zeigt uns Menschen seine Barmherzigkeit.

Andreas Fritsch ist Pfarrer im Kirchenkreis Bad Liebenwerda