12.10.2020
"Übrigens..."

Gebaut für die Ewigkeit?

In einer der Kolumnen an dieser Stelle hat Pfarrer Ingolf Walter sich über den Untertitel einer Sendung des MDR über die Frauenkirche gewundert. „12 Jahre für die Ewigkeit“ erschien ihm doch übertrieben. Ich möchte diesen Gedanken weiterführen. Die Psalmen sagen etwas fatalistisch: „Was immer der Mensch baut, es stürzt ein, solange er noch lebt“. Diese Vorstellung wird man wohl für überholt halten. Ich habe in meinem Leben aber schon oft erlebt, dass Gebäude mit großer Begeisterung eingeweiht wurden, die heute schon wieder abgerissen sind.

Wenn in der katholischen Kirche ein neues Gotteshaus eingeweiht wird, ist das immer ein besonderes Ereignis. Es beginnt damit, dass der Bischof mit seinem Bischofsstab dreimal an die Tür klopft und dann das Gebäude in Besitz nimmt. In den Gebeten heißt es dann, dass das Gebäude für ewige Zeiten dem Gottesdienst geweiht sein soll. Wir wissen natürlich, dass Kirchengebäude zerfallen, in Kriegen zerbombt oder wegen der schwindenden Zahl der Gläubigen profaniert werden. Die Gebete drücken also mehr einen Wunsch aus als eine Gewissheit. Wie lange bleibt eine Kirche stehen? Es mag von vielen Umständen abhängen, das Entscheidende ist aber, dass Menschen an Christus glauben. Wo Menschen sich zum Gottesdienst versammeln, bleiben auch die Kirchen stehen. Sie werden vielleicht erneuert oder umgebaut. Ewige Gebäude können wir nicht errichten, aber am ewigen Reich Gottes schon hier auf Erden mitwirken.

Udo Jäkel, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Lübben