12.04.2021
Schafe und der gute Hirte

von Sabrina Pieper, Pfarrerin in Mühlberg und Umgebung

Du Schaf! Was für ein Schimpfwort für jemanden, der etwas vergessen, zerbrochen oder auch falsch gemacht hat. Und auch eine wenig schmeichelhafte Selbstbezeichnung: „Ich Schaf, daran hatte ich gar nicht gedacht ...“ Für die Schafe ist dieser Vergleich nicht sehr schmeichelhaft. Die Bibel hat ein ganz anderes Bild von den Schafen. Da wird Gott als Hirte von uns Schafen bezeichnet. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser … Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“

Dieser Psalm wird am kommenden Sonntag gebetet, der „Misericordias Domini“, „Barmherzigkeit des Herrn“, heißt. Ich weiß nicht, wie Sie es finden, mit einem Schaf verglichen zu werden, aber der Gedanke, dass Gott, unser guter Hirte, uns beschützt, uns tröstet „im finstern Tal“ und bei uns ist, der tut mir gut. Auch und gerade im Moment. Unsere Welt ist eine Welt des Machens, der Aktivität, des Erfolges. Und im Moment ist alles anders – das Machen und die Aktivität sind eingeschränkt, um unserer Gesundheit willen. Und darum ist das Bild vom guten Hirten, der seine Herde beschützt und tröstet, für mich ein sehr schönes Bild: Gott tröstet, auch und gerade in diesem finsteren Tal. Wenn ich die Deichschafe an der Elbe sehe, dann fühle ich mich wohl, heimelig. Der Anblick beruhigt mich und ich spüre Geborgenheit. Mögen auch Sie dies spüren bei jedem Schaf, das Sie sehen!