17.03.2021
Rituale

Joggen und Pingel holen ein Beitrag von Benjamin Lüdtke

Über die Winterzeit mit Regen und Kälte hinweg helfen mir Rituale. Sie geben mir Halt und Struktur auch in der Pandemiezeit. Nach den Gottesdiensten am Sonntag gehe ich gerne joggen. Jeder Schritt bringt festgefahrene Gedanken in Bewegung. Schon erblicke ich ein Schneeglöckchen. Dieses Zeichen der wiederauflebenden Natur zum Ende des Winters hin zu sehen, ist wie ein Geschenk. Es ist eine Gewissheit von etwas Neuem, das kommen wird.

Viel Neues erfahre ich in Gesprächen mit den Menschen hier im Spreewald. Die Kinder erzählen von ihrer Vorfreude auf das „Pingel holen“. Dabei besuchen sie an Ostern alle ihre Taufpaten und bekommen von jeder Person neben Eiern ein kleines Geschenk. Manchmal fällt das auch größer aus, wenn der Pate nicht pingelig ist.

Geschenke erinnern mich an den Geburtstag. Mit der Taufe ist das ähnlich. Das Kind wird mit der Taufe in sein geistliches Leben geboren. Mit der Taufhandlung wird Gottes Zusage an uns erfahrbar. Sie lautet: Ich will mit dir sein. Damit schenkt Gott Hoffnung auf ein neues ewiges Leben. Das wird nach dem Taufgottesdienst gefeiert und jedes Jahr mit Geschenken erinnert. Wenn dann die eigene Konfirmation näher rückt, gehen die Jugendlichen zu den Paten, um sich zu bedanken. Diesmal bringen sie ihren Paten etwas mit. Wie wird der Pate reagieren? Die Aufregung und das schöne Kribbeln im Bauch sind dabei groß. Von der Vorfreude in den Erzählungen lasse ich mich gerne anstecken und über den Winter hin zum Frühling tragen.