13.11.2020
Auf's Kreuz gelegt

Nachdem ich die Nachricht vom „November-lookdown“ zum ersten Mal gehört hatte, musste ich tief Luft holen. Das ist schon allerhand. Viele Fragen tauchten auf: Wird jetzt der Martinstag Anfang November abgeblasen? Die vielen Martinsumzüge und das Teilen der Martinshörnchen abgesagt? Was wird mit den Veranstaltungen Ende November, wo wir mit den Angehörigen an die Verstorbenen des letzten Jahres gedenken? Und dann noch etwas über den Tellerrand gedacht: wie fühlen sich jetzt wohl die Gastronomen, Künstler und Freischaffenden? Da kann einem schon die Luft wegbleiben.

Immer dienstags 9 Uhr gibt es in Bad Liebenwerda im Gemeindezentrum ein kleines öffentliches Gebet. 20 Minuten zum Luftholen. Am Eingang liegen vorbereitete Zettel, wo Gebetsanliegen draufstehen. Wer eintritt kann sich so einen Zettel nehmen. In der Mitte der Andacht liest die Person stellvertretend für alle das Gebet vor. Sie zündet eine Kerze an und legt den Zettel dann zum Kreuz. Es geht darum, die Sorgen „aufs Kreuz zu legen“. Meine Erfahrung ist: immer werden die Sorgen dann kleiner. Sie können sich nicht mehr größer machen, als sie sind. Was ist ein Monat angesichts der Ewigkeit? Die Sorgen sind dann nicht weg. Aber sie überwältigen mich nicht, sondern ich „lege sie aufs Kreuz“ – im übertragenen Sinn. Sorgen werden im Schein der Kerze in ein anders Licht getaucht. Was ist, „bei Lichte betrachtet“, wirklich wichtig? Ja, ich brauche mein wöchentliches Training im Sportverein. Sonst fehlt mir die körperliche Fitness. Aber ich kann auch eine Zeit darauf verzichten.