07.09.2020
8. Pilgertag 2020

Wege der Entscheidungen – 8. Pilgertag

 

Manchmal muss man sich an Wegkreuzungen entscheiden. Manchmal geht man auch Kreuzwege. Auf allen Wegen im Leben trägt man sein eigenes Kreuz. Aber getrost, Gott gibt einen immer nur so ein Kreuz mit, wie man es im Stande zu tragen ist. Unter diesem Motto waren die PilgerInnen des 8. Pilgertages unterwegs. Auf gut 18km führte der Weg von der Frauenkirche in Mühlberg in die spätromanische Backsteinkirche nach Altenau. Dort gab es neben einer Stärkung mit Apfelkuchen auch Informationen zur Geschichte der Kirche vom Ortschronisten Herrn Grobe. Anschließend führte der Weg zum ehemaligen Kriegsgefangenen Lager STALAG IV B und dem späteren Speziallager NR. 1 des sowjetischen NKWD. Herr Knispel erzählte von dieser wechselvollen grausamen Geschichte des 30ha großen bewaldeten Geländes, wo freigelegte Funde auf das Schrecken dieser Zeit noch hinweisen. Sehr bewegt wurde es an der zentralen Gedenkstätte am Hochkreuz und man fragte sich, was Menschen auf diesem Weg alles erlebt haben mögen:

„Wie viele Menschen sind diesen Weg gegangen in Leid und Angst des eigenen Lebens ohne Wissen, was die Zukunft bringt?

Wie viele Menschen haben den Blick zum Sonnenaufgang und zum Sonnenuntergang von dieser Stelle aus erhoben voll Sehnsucht, ihn in ganzer Freiheit entgegen laufen zu können?

Wie viele Menschen haben in das Vogelgezwitzscher einsteigen wollen und durften doch ihre Stimmen nicht erklingen lassen?

Wie viele Menschen sind an Wegkreuzungen in diesem Gelände stehen geblieben und haben den Gedanken der Flucht gehegt?

Wie viele Menschen haben sich hier aufgegeben, alles Leid auf ihr Kreuz genommen und sich dem Sterben überlassen, weil die Kraft zu Ende war?

Wie viele Menschen sind aber auch voll Hoffnung und Zuversicht geblieben, das das Unrecht besiegt wird?
Ich weiß keine Antwort auf all diese Fragen. Aber ich habe das Gefühl, auf diesem Weg mit ihnen verbunden zu sein, weil sie mit ihren getragenen Kreuzen nicht vergessen sind.“

Weiter unterwegs musste man sich an Wegkreuzungen für die richtige Richtung entscheiden.

Und so führte der Weg zum Friedhof nach Neuburxdorf, wo zur Erinnerung an die Verstorbenen des Kriegsgefangenenlagers ein Ehrenmal errichtet wurde. Auch hier erzählte uns Herr Knispel geschichtliche Details und in der „Stätte der Begegnung“ konnte vor dem eindrücklichen Altarbild eine Gedenkminute an alle die Opfer der Kriegszeit gehalten werden.

Das Ziel des Pilgerwegs war noch längst erreicht. Auf dem „Sternweg Grüne Heide“ wanderte man durch den Wald. Waldbrombeeren luden zum Naschen ein und die vielen Pilze am Wegesrand konnte man auch nicht einfach so stehen lassen. Nach einer kleinen Rast an der Schwarzkieferplantage schritt man dann eilenden Schrittes dem Zielort Möglenz entgegen. Dort erwartete alle im Gasthaus Schirrmeister ein gutbürgerliches schmackhaftes Abendessen. Die müden Füße durften ausruhen und man sich über den Stempel im Pilgerpass freuen. Wieder ist ein Stück Weg durch den Kirchenkreis geschafft. Und ein jeder Pilgerer darf sich freuen, dass es im nächsten Jahr weiter geht.

 

Gemeindepäd. A. Wurch


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