12. Sonntag nach Trinitatis

Fontane im Gottesdienst? Haben Sie auch vor 14 Tagen am Sonntagvormittag im DLF den Gottesdienst gehört? Ich war auf dem Weg im Auto, um einen dringenden Besuch zu machen.

Ich dachte, ich traue meinen Ohren nicht: Zum Eingang gesungen von zauberhaften Stimmen erklang Fontanes „An einem Sommermorgen da nimm den Wanderstab, es fallen deine Sorgen wie Nebel von dir ab.“ Fontane im Gottesdienst? Aber ja. Eine Brandenburger Landgemeinde hatte diese Stunde sorgsam vorbereitet. Fontane war Christ. Getauft, konfirmiert, kirchlich getraut, - so wie es damals ganz selbstverständlich war. Für die meisten jedenfalls. Zum Gottesdienst ging er dann und wann, sonntags, wenn die Glocken läuteten. „Des Himmels heitre Bläue lacht dir ins Herz hinein und schließt, wie Gottes Treue, mit seinem Dach dich ein.“ Wenn ein erwachsener Mann, der viel erlebt hat, von Gottes Treue spricht, dann meint er auch was er sagt. Fontane ist für mich mehr als der fleißige Poet und Chronist mit seiner Begeisterung für unser liebes Brandenburger Land.  Nicht der Mensch ist für ihn das Maß aller Dinge.  Es gibt noch etwas, das wir nicht zu verantworten haben und das liegt außerhalb von uns. Ich will es die Kraft meines Lebens nennen. Christen, Juden und Muslime sagen „Gott“ dazu. „Rings Blüten nur und Triebe und Halme von Segen schwer, dir ist, als zöge die Liebe des Weges nebenher.“ Ein Gefühl von Liebe, wenn mir der azurblaue Himmel ins Herz hineinlacht und ringsum, wohin auch mein Auge blickt, Schönheit meine Sinne belebt - geht das? Nein? Doch, es geht. Ich muss es nur zulassen.  Das ist schon -fast - alles.  Meinem Widerstand, mich immer mal wieder für Augenblicke anzuvertrauen, mal nicht folgen. Einfach sein lassen.  „So heimisch alles klingt als wie im Vaterhaus, und über die Lerchen schwingt die Seele sich hinaus.“ Ein Lebensgefühl Wenn nichts mehr hilft, hilft Gehen.  Gehen?   Müsste sie nicht sagen: Beten? Denken Sie vielleicht. (Wenn nichts mehr hilft, hilft nur noch beten?) Wer einmal diese Erfahrung gemacht hat, alles stehen und liegen zu lassen, und nach draußen zu gehen, am besten einen Waldweg entlang.

Ruth Passauer, Pfarrerin i.R., Vetschau und Berlin

Foto: Kirchenkreis Niederlausitz