1. Sonntag nach Epiphanias

An diesem Sonntag hören wir im Gottesdienst, wie Jesus zu Johannes dem Täufer kommt und sich taufen läßt.
Vielleicht bemerken wir gar nicht mehr, wie seltsam das ist. Schließlich sind wir ja fast alle selber getauft. Taufe ist für uns ein Zeichen der Zugehörigkeit zur Kirche.
Aber die Taufe, die Johannes denen anbot, die zu ihm kamen war, war ein Zeichen der Buße.
Und daß Jesus ohne Sünde war, ist doch eine der Grundaussagen des christlichen Glaubens. Warum also sollte er sich von Johannes taufen lassen?

Nun ist Jesus, der Sohn Gottes, der in allem ist wie wir, aber ohne Sünde, tatsächlich wegen der Sündenvergebung zu Johannes an den Jordan gekommen, aber nicht um seine Sünde geht es,  sondern um unsere. Er kam, um getauft zu werden zur Vergebung unserer Sünden. Er stieg ins Wasser, demütig, wie er in unsere Welt kam, der Sohn Gottes mitten unter den Sündern.
Die Fluten schlugen über ihm zusammen, und die Wasser wurden für immer verwandelt: aus Fluten des Todes wurde das Wasser des Lebens.
Wasser, das uns in der Taufe Leben gibt, ewiges Leben in Jesus Christus.
Bei seiner Taufe im Wasser des Jordan da veränderte Jesus das Wasser, er ließ etwas von sich selbst im Wasser zurück. Berührt von Jesus Christus, Gott selbst, ist das Wasser nicht mehr bloßes Wasser. Was immer von Gott berührt wird, wird durch diese Berührung verändert, und wird selbst ein kleines bißchen heilig.
Manche Menschen bringen, wenn sie nach Israel fahren, neben all den anderen Andenken auch ein Fläschchen Wasser mit zurück, Wasser vom Jordan, dem Fluß, in dem Jesus getauft wurde. Und oft wird dieses Wasser dann zu hause für eine Taufe benutzt, und die Verbindung zwischen der Taufe Jesu und unserer eigenen Taufe so sinnenfällig gemacht.
Durch die Taufe Jesu sind die tödlichen Wasser der Flut das Wasser des Lebens geworden, das allem, womit es in Berührung kommt, Leben und Segen schenkt.
Dr. Astrid Schlüter, Pfarrerin in Altdöbern

 

Foto: Kirchenkreis Niederlausitz