1. Advent

Ich habe in diesen Tagen manches Mal einen Schreck bekommen, wie schnell ich mit meinem VW-Bus überholt wurde. Zugegeben, ich bin kein Langsam-Fahrer. Und trotzdem werde ich auf den verschiedenen Straßen mitunter recht rasant überholt. Ich bin in diesen Tagen so einige Male zusammengezuckt. Dazu „passen“ die zwei PKWs im Straßengraben, an denen ich vor ein paar Tagen auf der B101 vorbei musste.

Haben wir immer weniger Zeit? Verlocken die milden Temperaturen auf das Gaspedal zu treten? Oder ist es Ärger, den man sich „herausfährt“?

Und nun beginnt auch noch die Advents- und Weihnachtszeit!? Der Druck wird immer größer, weil noch mehr zu erledigen ist. Nicht nur die Arbeit muss fertig werden. Da sind auch Geschenke, Weihnachtsbaum, Braten …. .

Werden die Autos noch schneller? Werde ich mich an den Schreck in meinem VW-Bus gewöhnen müssen?

Vielleicht kann mancher „Blitzer“ helfen, die Geschwindigkeit unter Kontrolle zu halten. Vielleicht achten wir aber auch auf das biblische Wort, das zum 1. Advent und zu den vor uns liegenden Tagen gehört. „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ (Prophet Sacharja Kap. 9, 9)

Da kommt einer zu mir. Ich muss ihm nicht entgegenrasen. Ja, ich kann wohl auch ein wenig getrost abwarten: Er kommt zu mir.

Ich kann mich also in Ruhe vorbereiten, und dazu mag auch die Überlegung gehören: Wer kommt da? Was bedeutet der für mich?

Nach manchen Niederlagen haben die Menschen der biblischen Zeit einen König erwartet. Sie wünschten einen Herrscher, der mit guter Politik den Menschen, dem ganzen Land gut tun würde.

Und dieser neue Herrscher würde auf jeden Fall kommen. Da ist sich der Prophet Sacharja sicher. Am Ende seiner Worte steht kein Fragezeichen. Er kommt. Auch wir dürfen also getrost warten.  

Doch wir heute wissen auch: Dieser neue König war ganz anders als erwartet. Er war nicht der König, der mit kluger Kriegskunst dem ganzen Land gut tat.

Da war zuerst dieses kleine Kind, das unsere Nähe, unsere Aufmerksamkeit nötig hat. Und da war dann dieser erwachsene Mann, der so vieles anders gemacht hat als erwartet. Ja, in ganz besonderer Weise war er ein Gerechter und ein Helfer.

Nutzen wir doch diese Zeit des Advents, darüber Klarheit zu finden: Wer kommt da? Was bedeutet der für mich und mein Leben?

Auf jeden Fall aber kann man die eigene Geschwindigkeit herunterfahren: Denn er kommt zu mir. Er kommt zu uns.

 

Eine gesegnete Adventszeit wünscht Pfarrer Michael Seifert, Wahrenbrück