09.09.2026
Wenn Musik Hilfe in Bewegung bringt
Die Glocken der Stadtkirche St. Peter und Paul hatten zum Benefizkonzert gerufen. Rund 60 Besucherinnen und Besucher waren gekommen, um Markus Kaufmann an der Rühlmannorgel zu erleben und um mit ihrem Besuch die Arbeit des Lugala Lutheran Hospital im Süden Tansanias zu unterstützen. Schon im Eingangsbereich wurde deutlich, dass es an diesem Vormittag um mehr ging als um ein Orgelkonzert. Bilder aus Lugala, die Preisliste des Krankenhauses und ein Stand mit Produkten aus Tansania gaben Einblicke in eine Region, die viele Tausend Kilometer von Delitzsch entfernt liegt. Mitglieder des Lugala-Freundeskreises kamen mit den Gästen ins Gespräch und erzählten von der Arbeit des Krankenhauses und den Menschen, die dort medizinische Hilfe erhalten.
Dann gehörte der Raum zunächst ganz der Musik. Nach den ersten Stücken begrüßte Kantor Jörg Topfstedt die Gäste herzlich. Markus Kaufmann, Nikolaiorganist aus Leipzig, zeigte anschließend, wie viele Klangfarben in der historischen Orgel stecken. Sein Programm reichte von Johann Sebastian Bach und Franz Liszt bis zu eigenen Kompositionen. Besonders eindrücklich war Liszts „Vogelpredigt des heiligen Franziskus“. Die Stimmen der Vögel schienen durch den Kirchenraum zu ziehen – fein, lebendig und so anschaulich, dass vor dem inneren Auge beinahe eine ganze Vogelschar entstand. Mit seinem eigenen „Tango Organo“ zeigte Kaufmann eine andere Seite des Instruments: rhythmisch, kraftvoll und überraschend leicht. Die Rühlmannorgel konnte an diesem Nachmittag flüstern, erzählen, tanzen und den gesamten Kirchenraum füllen. Zwischen den Musikstücken berichtete Ralf Hellriegel vom Lugala-Freundeskreis über das Krankenhaus und die gesundheitliche Lage in der ländlichen Region. Das Lugala Lutheran Hospital versorgt mehr als 170.000 Menschen. Niemand wird abgewiesen, wenn das Geld für eine Behandlung fehlt. Gleichzeitig mangelt es an grundlegender Ausstattung für Notfälle. Der Freundeskreis möchte deshalb gemeinsam mit dem Krankenhaus unter anderem einen Krankenwagen, neue Notfalltragen, Geräte für die Notaufnahme und den Operationsbereich sowie eine mobile Laborstation finanzieren.

Glory mit ihrer Mutter im Lugala Lutheran Hospital
Was diese Hilfe bewirken kann, zeigt die Geschichte der kleinen Glory. Sie kam mit einem Geburtsgewicht von nur 600 Gramm zur Welt und verbrachte ihre erste Lebenszeit auf der Frühchenstation in Lugala. Heute ist sie mehr als zwei Jahre alt und entwickelt sich altersgerecht. Ihre Geschichte steht für viele Kinder und Erwachsene, deren Leben durch die Arbeit des Krankenhauspersonals und die vorhandene medizinische Technik gerettet werden konnte. Der Lugala-Freundeskreis sorgt dafür, dass diese Geschichten hier bekannt werden und aus Anteilnahme konkrete Hilfe entsteht. Sie informierten nicht nur über die aktuellen Vorhaben, sondern knüpften auch neue Kontakte und führten viele persönliche Gespräche. Weitere Veranstaltungen im kommenden Jahr sind bereits im Gespräch.
Am Ende blieb der Eindruck eines offenen und herzlichen Vormittags. Bei Kaffee, Tee und Kuchen hatte er begonnen, mit eindrucksvollen Orgelklängen setzte er sich fort. Musik und Begegnung schlugen eine Brücke von Delitzsch nach Lugala und machten Mut, gemeinsam noch mehr Gutes möglich zu machen.