03.05.2021
"Übrigens..."

Wie lieblich ist der Maien

Ein Lied aus dem Gesangbuch. Eine beschwingte Melodie, die Lust zum Singen macht. Wenn das Lied erklingt, weiß man: Es ist Frühling. Man bekommt gleich gute Laune. Momentan ist leider nicht ans fröhliche Trällern zu denken, Chorgesang nicht erlaubt. Daran leiden wir. Gedichtet hat das Lied vor 400 Jahren der Oberlausitzer Pfarrer Martin Behm. Schon in jungen Jahren hat er lernen müssen, wie gefährdet das Leben ist. Damals gab es in seiner Heimat eine Hungersnot, weswegen ihn seine Eltern zu Verwandten fortschickten, ehe er das Studium begann. Stets wurde er am neuen Ort von lieben Menschen freundlich aufgenommen und gefördert. Das prägte ihn. Er wusste, ich bin nicht allein in meiner Not. Diese guten Erfahrungen wirkten sich auf seinen späteren Dienst als Pfarrer aus, wenn er in Krisenzeiten Menschen beistand, ob in Kriegen, Hunger oder der Pest. Behm schrieb Lieder wie dieses. Sie waren so etwas wie Predigten. Ermutigende Worte in schweren Zeiten. Mit einem Lied auf den Lippen sollten die Menschen ihren schweren Alltag bewältigen: Der Kampf ums nackte Überleben, Missernten, Hungersnöte, Kriege oder Epidemien. Bedrohungen, die auch heute noch aktuell sind. Dass nach den harten, eisigen Monaten wieder freundliche, warme Tage folgen, auf den Winter Frühling und Sommer, das gab den Menschen damals die Gewissheit: Es gibt eine verlässliche Ordnung. Doch für sie kann kein Mensch garantieren, es gibt eine Macht, die alles in den Händen hält. Gott sei Dank. Auf dass wir auch heute ein solches Lied anstimmen können.

Pfarrer Manfred Grosser, Klosterkirchengemeinden Doberlug