28.09.2026
Pfarrer Andreas Fritsch in Schönewalde verabschiedet
Nach mehr als drei Jahrzehnten im Pfarrdienst wurde Andreas Fritsch in Schönewalde verabschiedet. In seiner Predigt blickte er auf Begegnungen, Zweifel und die Menschen zurück, die ihn auf seinem Weg begleitet haben.
Viele Menschen waren in die Kirche in Schönewalde gekommen, um Pfarrer Andreas Fritsch zu verabschieden: Gemeindemitglieder aus seinen Wirkungsorten im Kirchenkreis, Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeitende und Wegbegleiter. Den Gottesdienst gestalteten Orgel und Posaunenchor musikalisch mit. Fritsch hatte sich dafür das Lied „Sollte ich meinem Gott nicht singen“ gewünscht. Die Predigt hielt er selbst.
Darin blickte er auf mehr als drei Jahrzehnte im Pfarrdienst zurück. 1990 wurde er in der Georgenkirche in Eisenach ordiniert. An den Beginn seines Berufslebens erinnerte er sich mit einer kleinen Geschichte: Bei einer Verabschiedung eines Pfarrers hatte ihm damals ein Vikar zugeraunt: „Der hat’s geschafft.“ Fritsch stand zu diesem Zeitpunkt noch ganz am Anfang. Wie viel zu diesem Beruf gehörte, habe er erst nach und nach erfahren. Neben theologischen Fragen waren plötzlich auch viele organisatorische Dinge zu klären. Besonders in Erinnerung blieb ihm seine erste Beerdigung in einer Gemeinde. Sie ließ ihn fragen: „Wo ist dein Glaube? Was hast du zu sagen?“ Solche Fragen begleiteten ihn auch später. Es gab Zeiten, in denen nur wenige Menschen zum Gottesdienst kamen und er mit der Situation haderte. Einmal waren sie zu zweit: Fritsch und ein Gemeindemitglied. Die beiden kamen ins Gespräch über Gott und die Welt. Hinterher bedankte sich der Besucher für den schönen Gottesdienst. Für Fritsch wurde diese Begegnung zu einer Erinnerung daran, dass ein Gottesdienst keine große Zahl von Menschen braucht. Er erzählte auch von seinen ersten Gottesdiensten in einem Pflegeheim. Anfangs fühlte er sich im Umgang mit Menschen mit Demenz hilflos. Er las darüber, änderte seine Gottesdienste und fand einen Zugang. Aus diesen Begegnungen habe er selbst viel mitgenommen.
Andreas Fritsch stammt aus dem Erzgebirge und lernte zunächst Werkzeugmacher. 21 Jahre war er Pfarrer in Keula und Niederpöllnitz. 2019 wechselte er in den Kirchenkreis Bad Liebenwerda und übernahm eine Kreispfarrstelle für Vertretungs- und Entlastungsdienste. Er war dort im Einsatz, wo Unterstützung gebraucht wurde: unter anderem in Hirschfeld, Herzberg, Falkenberg, Lauchhammer-Schwarzheide und zuletzt in Schlieben und Schönewalde. Rund 131.300 Kilometer sei er dafür im Kirchenkreis gefahren, rechnete er in seiner Predigt vor. „Berufskraftfahrer“ sei er damit beinahe auch gewesen. Vor allem aber sprach Fritsch über die Menschen, mit denen er gearbeitet und Gottesdienste gefeiert hat. Er erinnerte sich an seine Kinder, die beim Glockenläuten und beim Krippenspiel mitmachten, an die freundliche Aufnahme in den Gemeinden und an die Unterstützung durch die Mitarbeitenden in den Büros. Die Zusammenarbeit habe ihm Mut und Freude gegeben, auch wenn die Tage manchmal lang waren. Ein Wort aus dem Hebräerbrief habe ihn durch seinen Dienst begleitet: „Ich will dich nicht verlassen.“ Für Fritsch war das auch in schwierigen Zeiten eine Zusage. Zum Abschied wünschte er den Menschen in den Gemeinden das Vertrauen, dass Gott sie auf ihrem Weg begleitet.
Superintendent Dr. Christoph Gramzow verabschiedete Andreas Fritsch und griff auf, was dieser ihm in einem Gespräch über seinen Dienst erzählt hatte: wie wichtig es ist, einander zuzuhören, persönliche Kontakte zu pflegen und dankbar auf die geschenkten Begegnungen zu schauen. Auch Iris Stein aus dem Gemeindebüro des Kirchengemeindeverbandes Schönewalde wurde verabschiedet. Christoph Gramzow entließ beide aus dem gemeinsam Dienst und sprach ihnen den Segen Gottes zu.
Nach dem Gottesdienst kamen alle zur Feierstunde zusammen. Nun beginnt für Andreas Fritsch der Ruhestand. Erst einmal möchte er einen Gang zurückschalten und die Entlastung spüren. Später will er mit dem Wohnwagen auf Reisen gehen. Bei der Feierstunde gab es Gelegenheit, ihm persönlich zu danken, Erinnerungen auszutauschen und ihm für diese neue Zeit alles Gute zu wünschen.