30.08.2026
Mit Gottes Segen ins neue Schuljahr
Puppe Hannah würde am liebsten einfach liegen bleiben. Ausschlafen, die Ferien noch ein bisschen verlängern und die Schule auf später verschieben – das wäre ganz nach ihrem Geschmack. Doch an diesem Sonntag traf sie auf 21 Kinder, von denen einige gerade einen ganz anderen Schritt gemacht haben: Sie sind seit wenigen Tagen Schulkinder.
Lektorin Brunhilde Leidreiter hatte zum Schulanfangsgottesdienst nach Gorden eingeladen und 21 Kinder kamen mit Eltern, Großeltern, Verwandten und Freunden. Gleich zu Beginn gehörte die Aufmerksamkeit den Schulanfängern. Sie kamen nach vorn undstellten sich vor und erzählten dann von ihren ersten Tagen in der Schule. Vieles war noch neu, aber das große Schulgebäude fühlte sich nach wenigen Tagen schon ganz selbstverständlich an. Philipp Zeiler begleitete den Gottesdienst musikalisch.
Und dann war da natürlich Hannah. Die Puppe gehört in Gorden zum Schulanfangsgottesdienst und hat zuverlässig ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge. Diesmal war vor allem eines klar: Mit dem Ende der Ferien war sie überhaupt nicht einverstanden. Brunhilde Leidreiter nahm Hannahs Protest auf und erinnerte an einen Satz aus der Bibel: „Alles hat seine Zeit.“ Ferien haben ihre Zeit und Schule eben auch. Es gibt eine Zeit zum Spielen und Ausruhen, aber genauso eine Zeit zum Lernen, Ausprobieren und Wachsen. Für die Schulanfänger bekam dieser Satz an diesem Morgen eine ganz eigene Bedeutung: Gerade hatte für sie eine neue Zeit begonnen. Hannah ließ sich davon allerdings nur bedingt überzeugen. Wenn Schule schon sein musste, dann wenigstens nach ihren Regeln. In ihrem Gebet bat sie Gott darum, dass es keine Hausaufgaben geben möge, mittags immer Pommes auf dem Tisch stehen und sie natürlich nur Einsen bekomme. Die Kinder lachten, wurden aber kurz darauf ganz still, als Tilda nach vorn kam. Sie war selbst erst im vergangenen Jahr eingeschult worden und sprach nun ein Gebet für die Kinder. ABC-Schützin Sinja aus Lauchhammer brachte anschließend auf den Punkt, was ihr daran gefallen hatte: „Das Gebet von Puppe Hannah war witzig, aber das Gebet von Tilda war schön, weil sie an uns alle gedacht hat.“

Dass ein neues Schuljahr nicht nur aus neuen Heften, Stundenplänen und Lernen besteht, zeigte Hannah wenig später auf andere Weise. Plötzlich war sie traurig. Sie meinte, keine Freunde mehr zu haben. Doch ganz unschuldig war sie daran nicht: Aus Wut hatte sie ihrer Freundin die Federmappe weggenommen. Damit ging es plötzlich um Fragen, die Kinder auch jenseits des Klassenzimmers beschäftigen: Was passiert, wenn ich einen Fehler mache? Was, wenn ich traurig bin, mir der Mut fehlt oder ich mich mit jemandem streite? Genau in solchen Momenten, machte Brunhilde Leidreiter den Kindern deutlich, gilt die Zusage: „Geborgen ist mein Leben in Gott. Er hält mich in seinen Händen.“ Auch wenn nicht alles gelingt, wenn Streit entsteht oder ein neuer Weg erst einmal ungewohnt ist, dürfen die Kinder darauf vertrauen, dass Gott sie begleitet. Zum Segen wurden schließlich alle Kinder nach vorn gebeten. Sie stellten sich zusammen, nahmen sich an den Händen und bildeten eine große Gemeinschaft. Brunhilde Leidreiter und Gemeindepädagogin Beate Schmidt sprachen ihnen den Segen für das neue Schuljahr zu und für all die schönen, aufregenden und vielleicht manchmal auch schwierigen Tage, die vor ihnen liegen.
Danach durfte sich jedes Kind noch über ein kleines Geschenk freuen. Für die Schulanfänger gab es etwas Besonderes: einen Teddy mit Schultüte. Ganz vorbei war der Nachmittag damit aber noch lange nicht. Beim anschließenden Kaffeetrinken in der Kirche wurde die traditionelle Schokotorte angeschnitten. Zwischen Kuchen und Kaffeetassen wurde weiter erzählt, gelacht und gespielt. So endete ein Schulanfangsgottesdienst, der den Kindern vor allem eines mitgeben wollte: Vor ihnen liegt eine neue Zeit mit Lernen, Freundschaften, kleinen Fehlern und neuen Erfahrungen. Und auf diesem Weg müssen sie nicht allein gehen.