31.08.2026
„Geh mutig voran“ - Inspirationstag 2026
Beim Inspirationstag des Kirchenkreises Bad Liebenwerda ging es um Menschen, die Ideen haben und um die Frage, was es braucht, damit aus einer Idee tatsächlich etwas wird.
„Geh mutig voran“ – dieser Satz aus einem Lied von Christina Müller und Zed passte an diesem Tag vielleicht besser als jede lange Überschrift. Denn beim Inspirationstag ging es nicht darum, fertige Konzepte zu präsentieren oder Gemeinden zu erklären, was sie künftig tun sollen. Es ging um Menschen, die etwas ausprobieren wollen. Um Ideen, die manchmal klein anfangen. Und um die Erfahrung, dass nicht von Beginn an alles perfekt sein muss.
Superintendent Christoph Gramzow eröffnete den Tag mit einer Andacht. Danach standen zunächst drei Menschen im Mittelpunkt, die bereits etwas auf den Weg gebracht haben. Ihre Projekte waren sehr unterschiedlich. Gemeinsam war ihnen vor allem eines: Irgendwann hat jemand angefangen. Fred Hocker stellte einen Techniktreff für Männer vor. Bewusst richtet sich das Angebot nur an Männer. Er möchte einen Raum schaffen, in dem Männer miteinander ins Gespräch kommen und auch Glauben seinen Platz haben kann. Die Unterstützung für seine Idee war schnell da. Die Gemeinde stand hinter dem Vorhaben, auch bei der Stadt Lauchhammer stieß der Techniktreff auf großes Interesse. Fred Hocker kennt viele Menschen und kann Kontakte herstellen. Zugleich wurde deutlich: Eine Idee kann von einer Person ausgehen, auf Dauer braucht es aber Menschen, die mitmachen, helfen und Verantwortung übernehmen. Ganz anders ist der Ansatz von Nicole Bischof aus Hirschfeld. Sie hat einen Vorlesekreis für Kinder begonnen. Auch sie bekam Rückhalt aus ihrer Gemeinde und entschied sich dann vor allem für eines: es einfach auszuprobieren. Kinder sollen dort wieder Freude an Büchern, Geschichten und der eigenen Fantasie entdecken. Es geht darum, ihnen Zeit und Raum für Geschichten zu geben und damit auch eine Alternative zu schaffen zu einer Freizeit, in der vieles über Bildschirm und Medien vorgegeben wird. Die Jüngste in der Runde war Auguste Lehmann. Die Schülerin der 12. Klasse hatte zunächst Praktika in Gemeinden absolviert. Inzwischen gestaltet sie selbst Nachmittage und Andachten und springt auch ein, wenn Unterstützung gebraucht wird. Ihr Umgang mit neuen Ideen ist pragmatisch: ausprobieren. Wenn etwas nicht funktioniert, wird es verändert. Und wenn eine Idee gar nicht trägt, wird eben etwas anderes versucht. Gerade diese drei Beispiele machten deutlich, worum es an diesem Tag gehen sollte. Gemeinde lebt nicht allein von Angeboten, die seit vielen Jahren bestehen. Sie lebt auch davon, dass Menschen wahrnehmen, was vor Ort fehlt, was sie selbst gern tun würden und wen sie damit erreichen können. Einen weiteren Impuls gab Jan-Micha Andersen von den Lasslotsen. neue Wege zu entwickeln und ihre Arbeit wirksamer zu machen, dabei stets getragen von christlichen Werten.
Danach ging es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst an die Arbeit. In mehreren Ateliers konnten sie sich mit den Fragen beschäftigen, die für eigene Projekte ganz konkret werden: Wie entwickelt man aus einem ersten Gedanken eine Idee? Wie findet man Mitstreiter? Was braucht die eigene Gemeinde und was möchte ich selbst eigentlich machen? Ein Atelier beschäftigte sich mit Öffentlichkeitsarbeit und damit mit einer Frage, die viele Initiativen kennen: Wie wird aus einer guten Idee auch ein Angebot, von dem Menschen erfahren und zu dem sie tatsächlich kommen? An anderer Stelle ging es um rechtliche Fragen und vorhandene Spielräume. Und auch eine Erfahrung bekam bewusst ihren Platz, die zu ehrenamtlichem Engagement dazugehört: Was passiert, wenn ich mit meiner Idee ausgebremst werde? Was kann ich tun, wenn andere nicht mitziehen oder ein Vorhaben anders läuft als gedacht? Dabei ging es nicht darum, für jede Situation eine schnelle Musterlösung zu finden. Viel wichtiger war der Austausch. Menschen aus unterschiedlichen Gemeinden kamen miteinander ins Gespräch, brachten Erfahrungen mit und hörten, wie andere mit ähnlichen Fragen umgehen. Während des Mittagessens zeigte sich bereits, dass die Vernetzung funktioniert: Kontakte wurden geknüpft, Erfahrungen geteilt und ganz konkrete Ratschläge weitergegeben. Anschließend ging es in Gesprächskreisen weiter. Eine Gruppe beschäftigte sich mit der Frage, wie ungewöhnliche Gottesdienstformate entstehen können. Superintendent Christoph Gramzow nahm dabei Ideen für Gottesdienste vom Fahrrad- bis zum Motorradgottesdienst in den Blick. In einer anderen Runde wurde darüber gesprochen, wie Kirchengemeinden stärker mit Vereinen und Kommunen vor Ort zusammenarbeiten können.

Am Ende wurde sichtbar festgehalten, was von diesem Tag bleiben sollte. Auf den großen Bögen standen keine komplizierten Strategien. Dort fanden sich sehr konkrete Gedanken: „Gemeinschaft halten“, „am Ball bleiben“, „Leute neu ansprechen“, „Glauben sichtbar leben“ und „aktiv sein“. Auch „Kirchentür öffnen und rausgehen“ wurde notiert. Ein Satz tauchte dabei in verschiedenen Formen immer wieder auf: Eine Person fängt an. Danach braucht es Menschen, die helfen. Und es braucht den Blick auf das, was schon da ist: Wer sind wir? Wie viele sind wir? Was können wir? Auch Fehler bekamen an diesem Tag einen anderen Stellenwert. Auf einem der Bögen wurde aus „Fehler“ kurzerhand „Helfer“. Daneben standen Sätze wie „Ärger ist Inspiration“ und „Aus Wut wird Mut“. Dahinter steckt eine Haltung, die sich durch viele Gespräche zog: Nicht jede Idee klappt beim ersten Versuch. Nicht jedes Angebot wird sofort angenommen. Manchmal muss etwas geändert, kleiner gedacht oder neu begonnen werden. Gleichzeitig zeigte die Rückmeldung am Ende, dass der Wunsch nach Austausch groß ist. Einige hätten dafür gern noch mehr Zeit gehabt und auch die Ergebnisse der einzelnen Gruppen ausführlicher kennengelernt. Gerade das ist vielleicht eine der deutlichsten Rückmeldungen des Tages: Es gibt Menschen mit Ideen, Erfahrungen und Lust, etwas zu bewegen und sie möchten stärker voneinander wissen. Der Inspirationstag sollte deshalb weniger ein Schlusspunkt als ein Anfang sein. Nicht jeder muss jetzt ein neues Projekt gründen. Nicht jede Gemeinde braucht dasselbe. Aber vielleicht beginnt manches schon damit, genauer hinzusehen: Was fehlt bei uns? Was würde ich gern machen? Wen könnte ich ansprechen? Und was hindert mich eigentlich daran, anzufangen?
„Geh mutig voran“ hieß es im Lied. Nach diesem Tag lässt sich noch ein Gedanke ergänzen: Man muss dabei nicht schon wissen, wie der ganze Weg aussieht. Manchmal reicht es, wenn eine Person den ersten Schritt macht.