Narrenspiegeleien

  • Die V. Jahreszeit läuft gerade auf Hochtouren. Am kommenden Mittwoch, am Aschermittwoch, beginnt die 40-tägige Fastenzeit und damit endet normalerweise die ausgelassene Fröhlichkeit. Bis dahin wird in zahlreichen Büttenreden noch einmal richtig vom Leder gezogen. Die Schwächen prominenter Personen werden aufs Korn genommen und wir können herzhaft loslachen. In den Büttenreden geht es über Vieles her: über Verfehlungen der Promis,  aber auch über uns und unsere Schwächen, die schonungslos benannt und belacht werden. Im Karneval wird uns der Spiegel vorgehalten. Über die Schwächen der anderen zu lachen, fällt uns nicht schwer- jedoch die eigenen Fehler einzugestehen- dazu braucht man gewaltig viel Humor. So leicht lachen wir nicht über uns. „Du gefällst mir gar nicht!“- So sagt es eine Schauspielerin in einem Werbespot als sie in den Spiegel schaut.- So sagen wir es vielleicht auch zu uns, wenn wir unser Angesicht  morgens im Spiegel erblicken. Das mag für die zunehmenden Falten auf Stirn und um die Mundwinkel gelten. Aber manchmal gefallen wir uns selbst auch nicht, weil wir auch innerlich nicht so sind, wie wir gern wären. Wir gefallen uns nicht, weil es uns z.B. schwer fällt nicht schadenfroh zu sein, oder  eigene Fehler zuzugeben, oder, weil eine Aussöhnung nicht gelingen mag. Sind wir besser als all die Prominenten, die wir belachen? Es ist eine große Herausforderung, wenn man es besser machen will. Es ist eine Lebensaufgabe nicht nur über die anderen zu lachen, sondern selbst anders als bisher zu leben, dass man in den Spiegel schauen kann und weiß: Ich habe viele Falten, im Gesicht und auf der Seele- das ist mir bewusst und ich benötige mehr als nur meine eigene Kraft, um mich zu ändern. Im Psalm 31 heißt es: Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest! Das eigene Leben zu ändern, es so zu gestalten, dass es ein gelungenes Leben wird, dazu braucht es große Kräfte, die Gott aber für uns zur Verfügung stellt. Schließlich sollten wir im Leben vorankommen und nicht in der nächsten Karnevalssaison beim Blick in den Spiegel wieder feststellen müssen: „Du gefällst mir garnicht.“
    Pfarrer Kersten Spantig, Elsterwerda

     

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Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen.

Daniel 9,7

Der Hahn krähte zum zweiten Mal. Da gedachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er fing an zu weinen.

Markus 14,72

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